Stefan Kempf ist ein Getriebener - zumindest wenn es um seine Arbeit als Bildhauer geht. Schon seit langem ist ihm bewusst, dass die Arbeit seine Passion ist, dass er darin einen Teil seines ganz persönlichen Sinns des Lebens gefunden hat. Oft kommt der Roßbacher schon morgens um sechs in seine Werkstatt. Jede freie Sekunde verbringt er hier, ob es regnet oder schneit. Selbst bei Temperaturen von minus 15 Grad steht Kempf an den Steinen und arbeitet unermüdlich, bis die Finger oder das Werkzeug in seiner unbeheizten Werkstatt eingefroren sind. " Manchmal frag ich mich selbst, was ich hier tue, aber ich muss es einfach machen. Es ist wichtig, dass man was schafft und dass man sich immer wieder selbst übertrifft", erzählt Kempf.
Wer einmal seine Werkstatt besucht hat, die etwas versteckt an der kleinen Kapelle zwischen Roßbach und Hausen gelegen ist, weiß, dass das keine leeren Worte sind. Schon am Eingang grüßen verschiedene Skulpturen: Vor der Werkstatt fällt sanft der Hügel in ein Tal hinab, am Rande steht ein kleiner Mann aus Sandstein, den Blick unergründlich in die Ferne gerichtet. Eine steinerne Haifischflosse ragt aus der frisch gemähten Wiese. Die Werkstatt selbst ist voll halbfertiger Skizzen von alten Projekten und neuen Ideen.
Dabei hat Kempf erst 1996 zur Bildhauerei gefunden. Während der Ausbildung zum Steinmetz im Betrieb von Helmut Hirte in Aschaffenburg war ihm aufgefallen, dass ihm die Arbeit mit Hammer und Meißel leicht von der Hand geht. Nach der Ausbildung besuchte er von 2000 bis 2001 die Gewerbeschule in Freiburg, wo er vorzeitig zugelassen wurde und legte dort seine Meisterprüfung ab. Seit 2006 hat er seine eigene kleine Bildhauerwerkstatt außerhalb Roßbachs.
Seitdem nutzt er jede freie Minute, um hier draußen zu arbeiten. Seine Skulpturen reichen von lebensgroßen Arbeiten bis hin zu monumentalen Fragmenten, vorwiegend aus Juramarmor und Mainsandstein. Immer wieder sind es menschliche Darstellungen, die dem Besucher beim Rundgang über das Gelände begegnen, aber auch Tiere oder Darstellungen aus der antiken Mythologie in einem zeitgemäßen Realismus. Zudem macht Kempf sakrale Kunst und Grabzeichen.
Seit 2006 hat Stefan Kempf an verschiedenen Gruppenausstellungen teilgenommen, zuletzt 2009 bei "Ganze Tage am Wasser" in Lindau, der Ausstellung "Menschwerk 2010" in Aschaffenburg und "nAtuRkulTur" 2010 Rodgau. Sein aktuellstes Werk ist der Brunnen, der seit Sonntag den Platz "Zum Dorfbrunnen" in Roßbach schmückt und für den das Motiv "Warten" das Leitthema war. (...)
Erfurt im September 2010, Andreas Göbel




